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Sommer 2000 Kurztripp nach England

England 2000Am 13.6.2000 ging’s los. Hermann kam von Blackforest zu mir ins Rheinland und wir fuhren am nächsten Tag gen Norden. Logisch, dass pünktlich um 9.00 Uhr bei der Abfahrt von oben nur noch Wasser kam, sonst nichts. Wir wussten da noch nicht, dass dieses Wetter von nun an, für die  nächsten  14 Tage unser treuester Begleiter sein sollte. Aber, ein Mensch kann sich so ziemlich an alles gewöhnen, und das taten wir dann auch. 

Das kleine Windschild an meiner XJR konnte mir die Wassermassen nicht vom Leib halten und außerdem stellte ich fest, dass es mir ohne Wasser auch nicht geholfen hätte. Also fuhren wir weil uns nichts anderes übrig blieb, durch das kurvenreiche Holland und das ebenso gerade Belgien. Wenigstens sind wir nicht eingeschlafen.

In Zeebrugge checkten wir in die Fähre ein die uns über Nacht bis nach Kingston upon Hull   bringen sollte. Das war fein. Im Bauch des Schiffes trafen wir viele Biker die sehr wahrscheinlich auch nach England wollten. Zwei Typen mit ‘ner 750er Yamaha Enduro fielen uns auf weil sie Unmengen von wirklich dicken (ich meine richtig dicke) Kettenschlössern mit sich schleppten. Die Dinger waren so schwer, dass alleine damit das Zuladegewicht erreicht gewesen sein dürfte. Aber dafür haben sich die  Gesellen die schwere Motorradkleidung gespart. Sch…nass aber die Karre sicher zu wissen, das ist wahre Liebe! Die Engländer fingen an mir zu gefallen, jedenfalls so lange, bis ich merkte, dass der eine ein Franzose war. Von da an gefielen mir die Franzosen auch.

Im Schiff ließen wir es uns richtig gut gehen. Tolles Abendessen (wir waren ja noch nicht in England)  und gutes Bier schmeckte wie es sollte. Obwohl ich jederzeit an meine sonst so oft  aufkommende  Seekrankheit denken musste, kam diese nicht. Gut so.

Am anderen Morgen jedenfalls war aufstehen angesagt. Schnell eine Deo- Dusche und ab in den Laderaum zu unseren Bikes. Und tatsächlich waren sie auch ohne schwere Kettenschlösser nicht geklaut. Für eine kurze Zeit glaubte ich sie sogar doppelt zu sehen. Das Licht war aber auch dermaßen schlecht da unten im Bunkerzimmer. Also lieber schnell aufgesessen und raus.  Das wir von nun an auf der Insel links fahren müssten, aber wir nach einiger Zeit dann auch begriffen; oder war’s doch das Bier? Jedenfalls von nun an fuhr Hermann immer vorne!  Er kannte den Weg zwar auch nicht, konnte aber besser danach fragen als ich. Unsere Karten waren gut und so war das mit dem Fragen auch bald vergessen und wir fuhren durch ein wunderschön in der aufgehenden Sonne glitzerndes England. Links das Meer mit der Sonne drüber und über uns immer die Regenfront. Das hatte was von Ordnung und war immer eine sichere Orientierung für uns.

Unseren ersten Zwischenstopp machten wir ein wenig angefroren in Bridlington. Es war genau 12 Uhr. Die richtige Zeit in der gesunde Mitteleuropäer erst mal einen richtigen Kaffee trinken.  Nach  einiger Suche sagte uns ein Lokal zu in dem wir Kaffee zu trinken gedachten. Der freundliche Wirt erklärte uns, dass es um diese Zeit in ganz England nirgendwo Kaffee gibt. Da wir Tee nicht wollten  und wir nicht sicher waren ob es denn dafür die richtige Zeit war, schlichen wir von dannen. Und geschah ein Wunder, und Hermann ist Zeuge!  Wir fuhren 2 Straßen weiter, der Himmel öffnete sich und die Sonne brannte, kochte uns das Regenwasser aus den Ritzen. Gleichzeitig waren wir urplötzlich inmitten einer riesigen Party.  Busse  mit Menschenmassen und überall Trubel. Richtige Kirmesathmosphäre. Und- an jeder Ecke gab’s Kaffee. Das wir dazu dann auch noch Pommes Spezial mit Hamburger Loyal oder so  ähnlich probierten war keine so gute Idee. Denn obwohl ich schon lange nicht mehr an meine Seekrankheit dachte, war sie plötzlich wieder da. 

Nächste Station war York. Eine prächtige Stadt mit imposanter mittelalterlicher Festungsmauer. Dort bestellte sich Hermann Fish and Chips. 20 Meter vor dem Laden rutschte man schon auf der Fettspur die aus dem Geschäft quoll geradewegs in den Laden. Das muss man den Angelsachsen schon lassen: Fish and Chips sind Klasse!! Und in England tatsächlich Kult. York kannte ich schon, denn als Braveheart war ich vor ein paar Tagen schon mal da. Die blaue Farbe hab ich heute noch hinter den Ohren. Das mich niemand wiedererkannte wunderte mich nicht, schließlich war mein Pferd ja auch nicht mehr das selbe. Übrigens, Braveheart ist wohl  nicht bis in die Englischen Geschichtsbücher eingedrungen, dort habe ich nur Robert the Bruce vorgefunden.

Am späten Nachmittag waren wir endlich am Ziel, in Chorley. Dass wir dort einen Sprachkurs absolvierten sei nur am Rande erwähnt. Wir kamen also im Laufe der nächsten 13 Tage selten zum Fahren. Bis auf einen harten aber grandiosen Tag nach Lancashire. Klar, wieder nur Regen und der (kleine) Plastikbecher Kaffee am See ganze 1 Pfund teuer. Trotzdem, dass man da beim pupsen nicht gestört wird könnt ihr mir glauben. Freilaufende Schafe und Wildpferde und tatsächlich im Landesinneren keine Menschenseele. Das hatte schon was von Highlands. 9 Stunden sind wir dort rumgekurvt, und so langsam störte der Regen nun wirklich nicht mehr. Wir haben in der Tat Regenfahren gelernt bis der Gummi kochte.  Ach ja, am Plastikbecherkaffeestand kamen dann auch noch einige englische Biker. Bei ca. 14- 16 Grad Celsius schälte sich ein in rot gekleideter Hayabusa- Fahrer aus seiner hautengen Kombi.  Soweit, so gut, aber als der arme Teufel den Helm abnahm konnte man sehen, dass er einen tiefblauen (gefrorenen) Kopf  hatte. Man soll ja nicht scherzen, aber knallrote Lederkombi und leuchtend blauer Kopf waren ein nicht passendes Farbenspiel.

Einen Tag sind wir dann noch bei einem Freund in Liverpool gewesen. In seinem Semi- detached  house. Wir waren echt beeindruckt von dieser alten Industriestadt. Hier spürte man noch die alte englische und stolze Arbeiterkultur. You never walk alone, die Hymne des FC Liverpool begleitet mich noch heute mit Gänsehaut.

Die Rückfahrt (alles Andere lassen wir jetzt mal weg) war wiederrum toll. Quer durch England  runter an die Küste bis nach Dover. Regen? Aber ja doch und davon reichlich. Manchester  war ein besonderer Ort war. Wir stellten fest, dass  man sich da nicht Verfahren kann. Obwohl wir die ganze Zeit raus aus dieser Stadt und weiter wollten, kamen wir bestimmt 10-mal immer wieder an derselben Stelle vorbei. Aber irgendwann  klappte es dann doch, vielleicht auch nur weil Hermann ab da wieder vorne fuhr. Ich persönlich glaube aber eher, dass das damit nichts zu tun hat.

Am späten Nachmittag erreichten wir Dover. Die Überfahrt nach Calais war kurz, dafür dauerte das Warten auf die Fähre länger. In Frankreich angekommen suchten wir uns schnell ein 5te Klasse Hotel (nicht 5 Sterne) und  gingen dann in Richtung Stadt um noch was zu essen. Bis auf eine Pizzeria hatte aber kein Restaurant mehr auf. Was uns erst später einfiel, -die Franzosen feierten an diesem Tag ihren Nationalfeiertag. Das war dann auch der Grund, warum wir so laut geschlafen haben. Bevor wir uns jedoch in unsere 4 Quadratmeter Suite begeben konnten, mussten wir unser Hotel erst  mal wiederfinden. Gott sei Dank hatten wir natürlich den Namen vergessen und die  Orientierung verloren. Also immer der Nase nach. Logischer Weise schüttete es zu diesem Zeitpunkt wie aus  Badewannen. Unsere Wirtsleute baten uns jedoch bis um 24 Uhr wieder zurück  zu sein, weil sie dann  abschließen wollten. Also, keine Zeit, keine Ahnung wo wir waren und niemand der uns verstand. Irgendwie kamen wir dann aber doch an, obwohl ich diesmal hinten lief. Klatschenass und Überglücklich.  

Der Rest ist schnell erzählt. Wir trennten wir uns und fuhren dann nach Hause. Wir würden es wieder machen. Da sind Hermann und ich uns einig. Zum einen weil  Motorradfahren das Größte ist und zum anderen weil, ja eben weil Motorradfahren das Größte ist. Das reicht ja wohl. Die Biker unter euch werden das verstehen. Das sollte ja eigentlich eine Story mit Bildern werden. Nur leider haben wir unsere Fotoapparate  vergessen. Ihr müsst euch das alles eben vorstellen können.

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